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Wolfsburgs neuer Theater-Intendant wägt ab und experimentiert


Wolfsburger Nachrichten vom 28.04.2025

Der künftige Theater-Intendant Axel Krauße stellte sich im „Talk im Foyer“ im Scharoun-Theater vor – und erklärt, wie er sparen will.

Von Hans Karweik

Foto: regios24/Lars Landmann | Dorothea Frenzel im Talk mit Axel Krauße, dem neuen Intendanten des Wolfsburger Scharoun- Theaters.

Spricht der künftige Wolfsburger Theater-Intendant Axel Krauße über Tübingen oder Ansbach, weiß er, wovon er spricht. In beiden süddeutschen Städten hat der 1971 in Langenhagen bei Hannover geborene Theatermann Erfahrungen gemacht, Neues eingeführt, sich auf die örtlichen Gegebenheiten und gesellschaftlichen, auch bundesweiten Entwicklungen eingestellt: eigene Inszenierungen, Aufbau eines Ensembles, moderne Uraufführungen statt großer Klassiker, Aufführungen außerhalb des eigenen Hauses an anderen Orten.

Davon erzählt er analytisch, sachlich erklärend, die Umstände berücksichtigend, Ergebnisse darlegend. Am Sonntagvormittag während des „Talk im Foyer“ im Scharoun-Theater, interviewt von Dorothea Frenzel, Vorsitzende des Theaterrings. Die Pädagogin ebnete ihm den Weg, indem sie assoziativ „diesen wunderschönen Morgen“ (blauer Himmel, strahlende Sonne außerhalb der langgestreckten Glasfassade) mit dem Morgen seiner Intendanz verglich.

Axel Krauße bittet Wolfsburger Publikum, ihm Zeit zu geben

Offiziell am 1. September wird Axel Krauße Geschäftsführer und Intendant des Scharoun- Theaters, folglich dann wirtschaftlich und künstlerisch verantwortlich sein. Zum noch vom scheidenden Intendanten Rainer Steinkamp erstellten Spielplan bekannte er sich inhaltlich: „Ich will und kann nur wenige Veränderungen vornehmen“.

Spricht er sodann über Wolfsburg, ist er sehr vorsichtig, zurückhaltend, bittet nicht nur das Publikum, ihm Zeit zu geben, um „die Chance, zu sehen, was läuft und warum, auszuprobieren, ob etwas ankommt, welche Möglichkeiten sich eröffnen“. Krauße ist kein Mann schneller, oft rasch überholter, nicht einhaltbarer Aussagen – kein Trump-Typ. Er wägt ab, bedächtig, nachdenklich, prüfend. Danach äußert er sich gern: „Das Scharoun-Theater ist ein funktionales und schönes Haus, klug gebaut.“ Er habe es fachkundig geführt kennengelernt.

Wolfsburgs neuer Theater-Intendant: „Ich setze auf Qualität“

Als Intendant werde er vorsichtig erkunden, inwieweit das Foyer für Aufführungen, Lesungen, Musik noch mehr genutzt werden könne, ob auch das Außengelände stärker einbezogen werden könne. „Scharouns Entwürfe wurden ja nicht umgesetzt“, sagt er und präzisiert sogleich, dass diese „die andere Seite“, also nicht den an der langen Glasfront liegenden Hang, betrafen. Als Geschäftsführer sieht er darin Einspar-Potenziale, denn mit kleineren Ensembles könne man Kosten senken. Deshalb favorisiert Krauße, auch in Wolfsburg eine ans Haus gebundene Schauspielergruppe zu haben. Auch weil „die Finanzlage schwierig ist“, aber die Gagen für Einladungs-Theater um ein Drittel gestiegen seien.

„Gewinne hat man hier mit dem Weihnachtsmärchen gemacht“, hebt Geschäftsführer Krauße hervor, die Fixkosten (Technik, Personal, Werbung) würden durch die Stadt Wolfsburg und Volkswagen gedeckt. Insofern müssen die Gastspiele insgesamt bei „null aufgehen, also die teuren durch billigere finanziert werden“. Das sei zunehmend nicht einfach. „Aber ich setze auf Qualität“, betont er als künftiger Intendant.

Axel Krauße will auch am Theater Wolfsburg experimentieren

In Tübingen brachte der Regisseur Krauße 2009 seine Bearbeitung von Walter Jens‘ Fernsehspiel „Der tödliche Schlag“ heraus, verlegte 2010 seine Inszenierung „Die Unterrichtsstunde“ von Eugène Ionescu in einen Hörsaal. „Wie Rainer Maria an die Front kam“, von ihm aus dokumentarischen Texten zusammengesetzt und inszeniert, wurde 2015 für den Monika-Bleibtreu-Preis nominiert.

Axel Krauße wird auch in Wolfsburg experimentieren, gestützt auf sein Studium („Ich bin Historiker“), seine bisherigen Erfolge und zu gewinnenden Erkenntnisse über die hiesige Lage. Mit viel Sensibilität, denn „Theater heißt Austausch, Begegnung mit dem Publikum“. An diesem Morgen ging er gut eine Stunde lang auf Fragen ein. Auch auf persönliche. „Wissenschaftlich wollte ich nicht arbeiten, weil ich Fußnoten nicht mag.“


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